Wachsgewinnung

Veröffentlicht am 05.04.2021
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Neben dem Honig ist das Wachs ein wichtiges imkerliches Produkt.
Ausschmelzen der Rähmchen Der Schmelz-Turm

In der Industrie wurde Bienenwachs vielfach durch synthetische Wachse ersetzt. In der pharmazeutischen und kosmetischen Produktion wird es aber nach wie vor verwendet; sowie auch in Produkten, die mit dem Inhaltsstoff „echtes Bienenwachs“ aufgewertet werden sollen (z.B. Schuhcreme, Möbelpolitur etc.). Auch die vor allem in der Weihnachtszeit beliebten Bienenwachskerzen bestehen zum Teil nicht aus reinem Bienenwachs, da dies ein zu teurer Rohstoff ist.

In der Imkerei wird Bienenwachs vor allem zur Erstellung der so genannten Mittelwände verwendet. Hierbei handelt es sich um Wachsplatten, die mit einem Wabenmuster geprägt sind. Diese nutzt der Imker, um von den Bienen innerhalb der eingesetzten Rähmchen ein stabiles Wabenwerk bauen zu lassen. Leider kam es in der Vergangenheit vermehrt zu Schadensfällen durch verunreinigtes Wachs. Hierdurch haben einige Imker großen wirtschaftlichen Schaden erlitten. Man sieht auch hier wieder: Wo Geld im Spiel ist, wird gemogelt. Aus diesem Grund gehen Imker vermehrt dazu über, einen eigenen Wachskreislauf zu etablieren, um sich vom Zukauf fremden Wachses unabhängiger zu machen.

Das frisch ausgeschmolzene Wachs Das frisch ausgeschmolzene Wachs - noch ungeklärt

Zunächst einmal muss das Wachs ausgeschmolzen werden. Ich verwende hierfür ein Tapetenablösegerät als Dampferzeuger. Die Rähmchen werden in den heißen Dampf gehängt, so dass das Wachs schmilzt und in einen Eimer läuft. Nach diesem ersten Schmelzen sind noch viele Verunreinigungen im Wachs, die in den folgenden Reinigungsgängen entfernt werden (so genannten Klärung). Wie sauber das Wachs sein muss richtet sich nach dem zukünftigen Verwendungszweck: Zur Herstellung von Mittelwänden ist eine mittlere Qualität ausreichend, zumal professionelle Umarbeiter (diese stellen aus dem angelieferten Rohwachs neue Mittelwände her) das Wachs zusächlich reinigen. Will man das Wachs zur Kerzenherstellung verwenden, muss es sehr gut geklärt sein, da ansonsten das Flammenbild nicht schön ist, die Flamme stark rußen kann oder gar der Docht verstopft.

Wachs nach der ersten Klärung Nach der ersten Klärung

Zur Klärung des Wachses wird es mehrfach unter Wasserzugabe verflüssigt und anschließend langsam abgekühlt. Dabei setzen sich die Schwebstoffe an der Grenzschicht zwischen Wasser und Wachs ab (auch Zankschicht genannt). Sehr leichte Bestandteile (z.B. Pollen) lagern sich oben auf dem Wachs ab. Man kann nun nach dem Abkühlen des Wachses sehr einfach diese Schmutzstoffe abkratzen. Durch mehrmaliges Wiederholen wird das Wachs immer sauberer.

Ich reinige das Wachs zusätzlich mechanisch. Nach dem ersten Aufschmelzen gieße ich es durch ein feines Drahtsieb, wie man es aus der Küche kennt. Nach dem zweiten Aufschmelzen fließt es durch einen feinen Seihsack, den man zum Beispiel in der Käseherstellung verwendet. Anschließend hat das Wachs eine Reinheit, die für meine Zwecke ausreichend ist.

Das fertig geklärte Wachs Das fertig geklärte Wachs

Das Ergebnis in diesem Fall ist ein 4,5kg schwerer Block aus reinem Bienenwachs. Der hierfür erforderliche Arbeitsaufwand:

Tätigkeit Dauer (h)
Ausschmelzen der Waben 2
Klären des Wachses 3
Rüstzeit und Reinigung 2
Summe 7

Bei einem Ankaufpreis von 7,00€/kg entspricht dies einem Stundenlohn von 4,50€. Man sieht: Für solch kleine Mengen lohnt es sich finanziell nicht. Aber so weiß ich immerhin, dass ich sauberes Wachs für meine Völker verwende.

Eine weitere „Wachsquelle“ ist das so genannte Entdeckelungswachs. Hierbei handelt es sich um jenes Wachs, dass beim Öffnen der verschlossenen Honigwaben gesammelt wird. Dieses Wachs wurde von den Bienen frisch hergestellt; für Brutwaben und den Aufbau der Wabenstruktur recyclen Bienen auch bereits verwendetes Wachs. aus diesem Grund ist Entdeckelungswachs besonders rein (und hell) und wird daher für die Herstellung von Kosmetika bevorzugt.

Die Originalseite finden Sie unter https://werstener-biene.de/2021/04/05/wachsgewinnung.html